Das Problem Wasserschaden und Bakterien

Das Problem Wasserschaden und Bakterien in der Wohnung und Gesundheitsgefahren dadurch ist kontrovers in Diskussion. In letzter Zeit kommen neben der präsenten „Schimmelproblematik“ immer häufiger Bakterien als ernst zu nehmende Risikofaktoren bei einem Feuchteschaden in der Wohnung ins Spiel. Nicht nur im Internet und auf sozialen Plattformen, sondern auch von angeblichen Sanierungs-„Fachfirmen“ und bekannteren Prüfinstituten kann man bei dem Thema Messung von Bakterien viel Halbwahres und Irreführendes hören.

Ein Schimmeltest nach einem Wasserschaden ist eine empfehlenswerte Erstmaßnahme https://www.advisan.net/produkt/schimmelpilztest-mykofund/. Bei einem Wasserschaden mit Abwasseraustritt aus Abwasserinstallationen im Haus kommen Bakterien aber oftmals größere Bedeutung zu als Schimmelpilzen. Ein Wasserschaden mit Abwasseraustritt z.B. aus einer Toilette führt unvermeidbar zu einer Verschmutzung von Bauteilen mit Fäkalien und Kontaminationen mit Fäkalkeimen. Am häufigsten betrifft es den Fußboden. Stellt man eine ernst zu nehmende oder schwere Kontamination mit Fäkalkeimen fest, ist ein Rückbau des betroffenen Fußbodens angezeigt.

Über Gesundheitsgefährdungen in Zusammenhang mit einem Wasserschaden und Bakterien in der Wohnung weiß man eigentlich nur ganz wenig Konkretes. Dieser Beitrag gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen und leuchtet den vielfach kryptifizierten Problembereich Wasserschaden und Bakterien und Bedarf am Schimmeltest mit Fakten aus.

Verkeimungen bei Wasserschaden und Bakterien

Eine Verschmutzung (d.h. Kontamination) mit Bakterien kann akzeptabel sein, wenn die eingetragenen Bakterien noch keine neuen Kolonien bilden. Bakterien und diverse Pilzen besiedeln mit Abwasser vollgelaufene Fußböden und durchnässte Bauteile mehr oder weniger schnell. Sie „verkeimen“ diese. Geschwindigkeit und Ausmaß der Verkeimung hängen vor allem von der Beschaffenheit des Bauteils ab. Aber auch von dem Nährstoff- und Bakteriengehalt des ausgelaufenen Wassers sowie von den vorherrschenden Temperaturen. Bei Schmutzwasserschäden und einem Eintrag von viel löslicher Organik, Fäkalien und Massen an Bakterien ist eine „aktive Verkeimung“ innerhalb weniger Wochen möglich.

Schimmeltest und Messung von Bakterien nach Wasserschaden

Ein einwandfreier, sicherer Nachweis, ob Material mit Sporen oder Bakterien verschmutzt (kontaminiert) oder schon von Pilzen und Bakterien bewachsen wird, gelingt nur mit mikroskopischen Methoden. Auch wie dicht Bewuchs und Sporendichte gegebenenfalls ausfallen, beurteilt man beim Schimmeltest am besten mit dem Mikroskop. Dieses Verfahren ist auch schnell und kostengünstig. Und deshalb ohne jeden Zweifel das Verfahren der Wahl https://www.schimmelpilz-messungen.de/mikroskopische-untersuchungen/

Mit transparenten Klebefilmen („Tesafilm“) nimmt man beim Schimmeltest eine Kontaktprobe von der Verdachtsfläche. Diese analysiert der Prüfer nach Anfärbung im Labor im Mikroskop auf Art und Ausmaß der Kontamination.

Das Verfahren zur Keimzahlbestimmung im Fußboden, wie es das Umweltbundesamt (UBA) im Schimmelleitfaden empfiehlt, ist geradezu aberwitzig: Materialproben sollen man waschen und die Waschflüssigkeiten anschließend analysieren. Die Keimzahlbestimmung erfolgt dabei durch Anlegen von Kulturen und ist zeitaufwändig, umständlich und teuer. Letztendlich leitet sich bei dieser Methode nur empirisch ab, ob ein Bewuchs oder ob eine unbedenkliche Verschmutzung vorhanden sein könnte. Man kann diese Labormethode fast schon als Geldschneiderei bezeichnen. Dieses Verfahren wird hier ausdrücklich nicht empfohlen.

Wasserschaden und Bakterien im Mikroskop

Überflutete Bauteile bei einem Schmutzwasserschaden, die selbst keine leicht bioverfügbare Kohlenstoffquelle aufzubieten haben, werden mit der Zeit von bakteriendominierten Biofilmen überzogen. Wie z.B. normalerweise Dämmungen aus Styropor. Oder ständig nasse Betondecken und -wände z.B. in Produktionshallen.

Wasserschaden und Bakterien
Wasserschaden und Bakterien
Abb. 1: Verschwärzter Biofilm an einem ständig nassen Betonbauteil

Schimmelpilze wachsen zunächst noch nicht. Die Biofilme enthalten breite Spektren einzelliger und myzelbildender Bakterien und Hefen. Erst in diesen Biofilmen vermehren sich allmählich Schimmelpilze. Meistens handelt es sich dabei ersteinmal um Acremonium-Spezies. Das sind klassische Bodenorganismen und Pioniere bei der pilzlichen Besiedelung von Mineral- und Kunststoffoberflächen. Intensiver Bewuchs durch viele Sporen bildende Schimmelpilze (Aspergillen / Penicillien) ist an derartigen Flächen, wenn überhaupt, viel später feststellbar. Im Regelfall erst einige Wochen bis viele Monate nach Eintreten eines Wasserschadens. Dieser Besiedelungsfortgang endet nach längerer Zeit mit einer Vermehrung von Milben, die sich von Bakterien- und Schimmelpilzrasen ernähren. Das ist der Höhepunkt der biologischen Diversifizierung am Befall. Hierfür wendet ddie Schimmelberatung Niedersachsenden Begriff mikrobielle Sukzession an.

Wasserschaden und Bakterien
Wasserschaden und Bakterien
Abb. 2: Mikrobielle Sukzession auf einer Kunststoffdämmung beim mikroskopischen Schimmeltest an einem überfluteten Estrichfußboden

Zum Zeitpunkt der Prüfung eines mikrobiell belasteten Bauteils wie z.B. einem nassen Wandsockel oder einem überfluteten Fußboden mit dem Schimmeltest handelt es sich um ein noch frühes Stadium der mikrobiellen Besiedelung

a) solange noch bakterielle Biofilme dominieren und

b) man keinen oder nur untergeordnet Schimmelpilzbewuchs vorfindet.

Fäkalkeime beim Schmutzwasserschaden

Nur ein sehr geübtes Auge erkennt beim Schimmeltest mit dem normalen Lichtmikroskop an einer Materialprobe, z.B. aus einem Fußboden, einzelne Bakterien. Infektiöse Bakterien z.B. aus einer Toilette und nicht-infektiöse Bakterien, wie ubiquitäre „Schmutzkeime“, kann man an Proben aus einer Wohnung im Mikroskop nicht oder zumindest nicht zuverlässig unterscheiden. Das ist allerdings auch nicht notwendig. Es ist nämlich so:

Für gramnegative Bakterien an Bauteilen gibt keine wissenschaftlich fundierten Beurteilungskriterien („zuviel vorhanden“ ↔ „normal viel vorhanden“). Klassische „Fäkalkeime“ wie Enterobacteriaceen / E. coli gehören zu den gramnegativen Bakterien. Diese sind äußerst austrocknungsempfindlich. Sie sterben außerhalb wässrigen Milieus bzw. außerhalb des menschlichen Körpers rasch ab. Gramnegative Bakterien, die z.B. aus einer Toilette in einen Fußboden gelangt sind, können sich dort nicht vermehren. Weil sie ziemlich schnell tot sind. Die Infektiosität von Bakterien geht mit dem Übergang aus dem menschlichen Körper in das Bauteil also verloren. In einem überfluteten Fußboden können Bakterien auch keine für den Menschen toxischen Verbindungen mehr synthetisieren.

Der Nachweis gramnegativer Bakterien erfolgt im mikrobiologischen Routineverfahren über Kultivierung. Tote Mikroorganismen können keine Kolonien mehr bilden. Und mit der traditionellen Kultivierungstechnik somit nicht mehr festgestellt werden. Ein Nachweis toter Gramnegativer kann indirekt über deren Zerfallsprodukte (Endotoxin) erfolgen. Doch gibt es für diesen, relativ komplexen mikrobiologischen Messparameter keine ausreichenden Vergleichsmessdatenmengen für „normal belastete“ Fußböden.

Messung von Bakterien beim Wasserschaden

Nicht nur für gramnegative Bakterien an und in Hausbauteilen, sondern für Bakterien als Summenparameter überhaupt gibt es keine standardisierten Mess- und Nachweisverfahren. Zumindest was die Luft und ggf. kontaminierte Feststoffe betrifft. Dies liegt im Wesentlichen an der großen Empfindlichkeit, mit der Bakterien generell auf Veränderungen ihrer (optimalen) Umgebungsbedingungen reagieren und absterben.

Ohne freies Wasser ist ein gesicherter Nachweis, ob fäkalienbelastetes Wasser in relevanten Mengen z.B. in einen Fußboden eingetragen wurde oder nicht, nicht möglich. Dieses muss man ersteinmal gezielt entnehmen und qualifiziert auf das Vorhandensein und ggf. die Konzentration an Bakterien bzw. Fäkalkeimen überprüfen. Hat man kein Wasser zur Prüfung, gibt es nur noch ein einziges Hilfsmittel zur Einschätzung des Bedarfs an vorsorglichen Rückbaumaßnahmen wegen einer (möglichen / wahrscheinlichen) Fäkalien- bzw. Fäkalkeimbelastung: die Geruchsprüfung auf Hausabwasser-typische („fäkaltypische“) Gerüche.

Gesundheitsfragen bei Wasserschaden und Bakterien

Bakterien an der Wand und im Fußboden bedeuten keine direkt fassbare Gesundheitsgefahr. Wichtigstes und entscheidendes Kriterium im Zusammenhang mit Fragen zur gesundheitlichen Gefährdung bei Schimmel und Bakterien in der Wohnung ist nicht nur nach einem Wasserschaden, sondern generell die Atemluftqualität. Schimmelpilzkolonien, die Massen an Sporen tragen und verdeckt in einem Fußboden wachsen, sind in bestimmten Fällen zumindest theoretisch in der Lage, die Qualität der Raumluft, die wir atmen, zu beeinträchtigen.

Bei Bakterien ist das grundsätzlich nicht so. Diese Organismen bilden keine sensibilisierenden Sporen, die gleichzeitig zum Übergang in die Luft neigen. So wie das bei den Schimmelpilzen der Fall ist. Bakterien gehen stattdessen ohne Weiteres überhaupt nicht in die Raumluft über. Trocknet das Bauteil ab, sterben die Bakterien unvermeidbar ab. Luftgängige und gesundheitsgefährdende Rückstände bilden sich dabei auch nicht.

Nachteilige Wirkungen durch Bakterien in überfluteten Fußböden sind nur dann zu erwarten, wenn es zu erneuten Koloniebildungen und dadurch zu Emissionen von unangenehm riechenden Stoffwechselprodukten kommt. In „krankmachende Wirkungen“ eines Schimmelpilzbefalls kann ein andauerndes sich unwohl fühlen in einer Wohnung durch ständiges Voraugenhalten eines flächigen, u.U. unangenehm riechenden mikrobiellen Schadens ohne Weiteres einbezogen werden.

Bakterien an der Wand und ästhetisches Empfinden

Wenn ein Bauteil also mit Bakterien verschmutzt oder schwerer belastet ist, weil sich daran bereits Bakterienkolonien gebildet haben, gibt es für Rückbaumaßnahmen aus gesundheitlichen Gründen eigentlich nicht immer Argumente. Nur unangenehme bakterielle Gerüche und ästhetisch-hygienische Gesellschaftskonventionen können als berechtigte Gründe für Rückbaumaßnahmen anerkannt werden.

Über die Frage der Innenraumluftqualität hinaus hat der Mensch das Bedürfnis, in einem „sauberen Umfeld“ zu wohnen. Ästhetik spielt beim Empfinden von Wohlsein in der Wohnung eine wichtige Rolle. Ab einer (unbestimmten) Flächigkeit bzw. Intensität einer mikrobiellen Bauteilverschmutzung wird diese aus allgemeinästhetischer Sicht nicht mehr akzeptabel und muss allein aus diesem Grunde beseitigt werden. Fortgeschrittene Stadien der mikrobiellen Stoffdegradation – landläufig als „Vergammeltes“ bezeichnet – oder Kontaminationen mit Fäkalkeimen in der großen Fläche sind in der Wohnung heutzutage generell nicht erwünscht.

Es versteht sich von selbst, dass es nicht möglich ist, mit Ästhetik als Beurteilungsparameter zu objektiven Schadenseinstufungen und „immer richtigen“ Handlungsempfehlungen zu gelangen. Standardisierte, allgemeingültige Befundbemaßstabungen sind in Zusammenhang mit dem Begriff Ästhetik nicht möglich.

Zusammenfassung

Wasserschaden und Bakterien und Gegenmaßnahmen

Vor der Inangriffnahme der Schadensbeseitigung stellen sich beim Thema Wasserschaden und Bakterien bei Schmutzwasserschäden die Fragen zu

  1. der Art und dem Ausmaß der Kontamination durch Bakterien
  2. u.U. gesundheitlichen Risiken durch die Bakterien
  3. Folgerisiken durch ständige unangenehme Gerüche.

Bei einem Abwasserschaden an einem Abflussrohr im Haus gelangen garantiert infektiöse gramnegative Fäkalbakterien in den Fußboden. Eine Entfernung von Bakterien aus kontaminierten Fußbodendämmungen ist weder mit chemischen noch mit mechanischen oder physikalischen Bekämpfungsmaßnahmen möglich. Es kann nur empfohlen werden, den Fußboden nach einem Fäkalwassereintrag unverzüglich technisch zu trocknen, um Massenvermehrungen von Mikroorganismen sofort zu unterbinden. Mit dem Verfahren der Trocknung wird den Bakterien die Vitalität und damit die Infektiosität schnell genommen.

Trocknungsunternehmen sollten angewiesen werden, Bohrungen im Estrich vor Ort auf Geruchsauffälligkeiten zu prüfen. Wenn Gerüche feststellbar sein sollten, die einen konkreten Verdacht auf erhebliche Einträge von fäkalienbelastetem Wasser begründen, muss das Trocknungsverfahren angepasst werden. Gegen das Verfahren, die zur Trockenlegung des Fußbodens konditionierte Prozessluft zum Zweck der Beseitigung von Gerüchen mit Wasserstoffperoxid oder anderen Oxidantien auf Radikalbasis zu versetzen, sind fachlich keine Einwände zu erheben.

Sollte man im Zuge der Bohrkernsetzung auf stehendes Wasser auf einer Betonsohle unter der Estrichdämmung treffen, könnte man versuchen, eine Probe davon mit einer sterilen Spritze zu entnehmen, um es qualifiziert bakteriologisch auf die Fäkalkeimbelastung prüfen zu lassen.

Des Weiteren kann generell empfohlen werden, die Unterseiten der den Fußböden zur Trockenlegung entnommenen Dämmstoffproben sicherheitshalber stichpunkthaft anhand mikroskopischer Methoden auf Pilz- und Bakterienanhaftungen zu überprüfen. Das vom UBA vorgeschlagenen Verfahren der Kulturanlegung bei der Laborprüfung kann hier aber keinesfalls empfohlen werden.

Anmerkung

Der Autor ist als promovierter Mikrobiologe und bei der IHK Hannover Öffentlich bestellt und vereidigt als Sachverständiger für Schimmelpilze und Feuchtigkeit in Innenräumen. Er ist als Gutachter u.a. für Arbeitshygiene und Umwelthygiene deutschlandweit und in Sachen Schimmel in der Wohnung in Hannover und Niedersachsen tätig.