Schimmel messen und Umgang mit Schimmelpilzschäden

Wie und ab wann soll ich von einem Gutachter Schimmel messen lassen? Wie sieht danach richtigerUmgang mit Schimmelpilzbefall aus? Diese oft gestellten Fragen können nur seriös beantwortet werden, wenn die Ausprägung eines Schimmelpilzschadens eingermaßen genau bekannt ist! Schimmelpilze – auch solche, die an feucht gewordenen Bauteilen oder Einrichtungsgegenständen in Innenräumen zu finden sind – übernehmen in der Natur eine wichtige Funktion als Zerstörer toter organischer Materie. Schimmelpilzsporen sind deshalb immer und überall in der Luft vorhanden. Die „natürliche“ Schimmelpilzbelastung außen ist enorm großen Schwankungen unterworfen, der lüftungsbedingte Sporeneintrag von außen nach innen variiert entsprechend. In jedem über Fenster und Türen belüfteten Haus reichern sich Pilzsporen, die von außen nach innen getragen werden, mit der Zeit im sedimentierten Hausstaub an. Pilzsporen im Hausstaub werden immer wieder aufgewirbelt und können die momentane lufthygienische Situation jederzeit verändern. Die Varianz dieser „natürlichen“ Schimmelpilz-Hintergrundbelastung im Innenraum ist beträchtlich https://www.advisan.net/schimmel-in-wohnung-schimmelpilze-und-gesundheit/

Schimmelpilzquellen sind quasi überall und ständig vorhanden

Größere Schimmelpilzquellen an Bauteilen können die hygienische Situation in einem Wohnraum allerings u.U. erheblich beeinträchtigen. „Nicht-baubedingte“ Schimmelpilzquellen innerhalb der Wohnräume sind z.B. verderbende oder verdorbene Lebensmittel, Tierkäfigeinstreu, Zierpflanzen mitsamt Pflanzgefäßen und Topferde sowie gesammelte Lebensmittelverpackungen und feuchte organische Abfälle aller Art. Die Feststellung eines Schimmelpilzbefalls und die hygienische Bewertung der Lebenssituation in einem Innenraum können sich aufgrund der Vielzahl potenzieller Schimmelpilzquellen im Umfeld des Menschen außerordentlich schwierig gestalten.

Nach welchen Kriterien wird ein Schimmelbefall behördlich eingestuft?

Ein „allgemeines Gesundheitsrisiko“ durch Schimmelpilze ist aber nicht nur aufgrund der vorgenannten, sehr variablen „natürlichen“ Hintergrundbelastung, sondern schon alleine aufgrund der individuellen Reaktion des Einzelnen auf Umweltstoffe generell nicht definierbar. Die hygienische Relevanz und potenzielle gesundheitliche Wirkung eines Schimmelschadens bestimmter Ausprägung werden bis heute im Regelfall nicht anhand individueller Befindlichkeiten, sondern hilfsweise anhand der Befallsflächengröße beurteilt (so genanntes „Flächenkriterium“ z.B. gemäß Umweltbundesamt / UBA-Leitfaden).

Simmel messen nach Umweltbundesamt (UBA): Das UBA schlägt in seinem  „Schimmelpilzleitfaden“ auf der Basis der flächigen Ausdehnung drei Kategorien zur Einstufung der Schwere einer Belastung von Materialien mit Schimmelpilzen vor.

Kategorie 1: Schadensfläche < 20 cm2; keine oder sehr geringe Biomasse

Kategorie 2: Schadensfläche < 0,5 m2; mittlere Biomasse

Kategorie 3: Schadensfläche > 0,5 m2; große Biomasse

Gemäß dieser Schadenskategorisierung sollen Schimmelbefallsflächen ab 0,5 m2 in die (höchste) Kategorie 3 „große Befallsfläche“ fallen. Schimmelpilzbefall der Kategorie 3 birgt nach UBA ein Gesundheitsrisiko und muss im Sinne des Minimierungsgebots zur Vorbeugung von Gesundheitsbeeinträchtigungen beseitigt werden. Für Schimmelschäden der Kategorie 3 werden als Maßnahmen unter anderem empfohlen:

–      die Freisetzung von Schimmelpilzen sollte unmittelbar unterbunden werden

–      die Ursache des Schadens ist kurzfristig zu ermitteln und zu beseitigen

–      eine umweltmedizinische Betreuung der Betroffenen sollte erfolgen

–      nach abgeschlossener Sanierung sollte eine Freimessung erfolgen

Kann man mit dem Flächenkriterium alleine einen Schimmelbafall richtig beurteilen?

Eine Beurteilung der hygienischen Relevanz eines Schimmelschadens, der von diesem ausgehenden mutmaßlichen Gefährdungen und der zu ergreifenden Sicherungs- und Schutzmaßnahmen alleine anhand des Flächenkriteriums wird vom Betreiber dieser Internetseite aufgrund der mehrheitlich schlechten Erfahrungen als grundsätzlich nicht anwendbar erachtet und nicht empfohlen.

Dass eine hygienische Schadensbeurteilung  alleine anhand des Flächenkriterieum nicht möglich ist, wird anhand des folgenden Beispeils aufgezeigt:

Bild 1 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden ohne hygienische Relevanz
Bild 1 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden ohne hygienische Relevanz
Bild 2 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden mit hygienischer Relevanz
Bild 2 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden mit hygienischer Relevanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bild 1  zeigt einen großflächigen Schimmelschaden ohne gesamthygienische und gesundheitliche Relevanz. Auf den Fliesen wachsen gesundheitlich unbedenkliche und bereits seit langem degenerierte, überwiegend tote Cladosporium-„Schwärzepilze“. Die Pilze tragen nur geringe Mengen luftgängiger und einatembarer Sporen. Das Bild 2: zeigt einen Schimmelschaden entsprechender Fläche, der aber gesamthygienische und damit potenziell gesundheitliche Relevanz aufzubieten hat. Auf der Wand wachsen stark sporulierende Aspergillus-Schimmelpilze, die mit Massen extrem leicht luftgängiger Sporen behaftet sind. Wie mit den beiden Schimmelschäden umzugehen ist, kann nicht alleine anhand der Fläche beurteilt werden.

Wie sollte ein Schimmelschaden sattdessen beurteilt werden?

Seriöse Aussagen zu einer möglichen Gefährdung durch Pilzbefall in Wohnräumen und Empfehlungen zum richtigen Umgang damit sind nur bei Berücksichtigung aller wichtigen Randfaktoren zu treffen. Dies sind z.B. die vorhandenen Pilzarten, die Bewuchsintensität, die baulichen Gegebenheiten des schimmelgeschädigten Objekts oder die Art und Dauer der Nutzung der betroffenen Räumlichkeiten durch die Bewohner / Benutzer.

Um zu prüfen, ob Schimmel messen durch einen Gutachter anzuraten ist und um beurteilen zu können, wie mit einem Schimmelpilzschaden in einem Innenraum umzugehen ist, werden folgende Informationen benötigt. Dies auch um einschätzen zu können, ob ein Schimmelpilzbefall bestimmter Ausprägung gesundheitliche Risiken birgt:

  1. vorhandene Pilzspezies (starke Sporulierer ↔ schwache Sporulierer)
  2. Fläche der pilzlichen Biomasse
  3. Dichte der Pilzbiomasse (früher Befall ↔ ausgewachsener Befall)
  4. Art und Zustand des Untergrundes an der Bewuchsfläche
  5. Aktivität der vorhandenen Pilze (vital ↔ ausgetrocknet)
  6. Aktuelle und künftig zu erwartende Feuchtigkeit der Befallsfläche
  7. Lokalisation des Schimmelschadens im Objekt (verdeckt / offen)
  8. Gesundheitszustand / gesundheitliche Vorbelastung der Bewohner
  9. Schadenshistorie: Dauer der Schimmelprobleme / der Exposition
  10. Tiefe des mikrobiellen Befalls (nur bei eingehenderer Sanierungsplanung)