Wasserschaden und Schimmel-Schnelltests - junges Pilzmyzel

Wasserschaden und Schimmel-Schnelltests

Dieser Beitrag informiert über das Problem einer möglichen gesundheitsgefährdenden Schimmelbildung nach einem Wasserschaden und Schimmel-Schnelltests. Bei einem Wasserschadensereignis durchnässte Bauteile verkeimen munterschiedlich schnell. Wichtige Faktoren sind Beschaffenheit des durchfeuchteten Teils, Nährstoff-, Bakterien- und Pilzgehalt des ausgetretenen Wassers und die vorherrschenden Temperaturen. Bei den Temperaturen, die normalerweise in Innenräumen vorherrschen, sind auf organischen Materialien wie z.B. Papier und auf stark mit Organik verschmutzten Teilen relativ schnelle Schimmelpilzbildungen möglich. Nach einem Wasserschaden können Schimmel-Schnelltests für die Luft bzw. einfache Schimmeltests für Verdachtsflächen hilfreich sein, das richtige Vorgehen bei der weiteren Schadensbeitigung nach einer Wasserhavarie zu finden.

Auf nassen Kunststoffen stehen bakterielle Kontaminationen zunächst im Vordergrund

Unmittelbar nach einer Wasserhavarie dominieren bakterielle Kontaminationen durchfeuchtete Bauteile. Schimmelpilze sind dann mehrheitlich noch in sehr geringem Umfang nachweisbar. Bakterien vermehren sich in wässrigen Lösungen schneller und verwerten wassergelöste Schmutzstoffe effektiver als die substratgebunden wachsenden Schimmelpilze. Sie können deshalb in anstehendem Schmutzwasser auch wesentlich höhere Vermehrungsraten erreichen als myzelbildende Pilze. Dies erklärt, weshalb in schmutzwasserüberfluteten Estrichen in aller Regel primär Massenvermehrungen von gesundheitlich eher unbedenklichen Bakterien zu beobachten sind [1]. 

Schimmelpilze auf nassen Styropor-Dämmungen vermehren sich verzögert

Wenn in Estrichfußböden schnell besiedelbare zellulosehaltige Feststoffe fehlen, kommen Pilze vorzugsweise nur stark verzögert zum Wachstum und zur Vermehrung. Als „keimbelastet“ auszuweisende Materialoberflächen präsentieren sich häufig auch nach Wochen noch in erster Linie von mikrobiellen Plaques oder – besser ausgedrückt – von mächtigeren Biofilmen überzogen. Biofilmen bestehen vorwiegend aus breiten Spektren einzelliger und myzelbildender Bakterien und Hefepilze. Schimmelpilze sind darin nur wenige zu finden. In diesen Biofilmen kommen nur allmählich erste Pionier-Schimmelpilze wie z.B. Acremonium-Spezies, zur Vermehrung. Acremonium-Pilze sind klassische Bodenorganismen und echte „Vorreiter“ bei der pilzlichen Besiedelung von Mineral- und Kunststoffoberflächen im Innenraum.

„Schimmelpilzbewuchs“ in der Fläche durch starke Sporulierer wie Aspergillus- und Penicillium-Spezies findet man in überfluteten Estrichböden in aller Regel erst einige Wochen nach Eintreten eines Wasserschadens. Vorangegangen ist fast immer eine  großflächige bakterielle Verkeimung [2]. Solange an mikrobiell belasteten Bauteilen in Fußböden noch bakterielle Biofilme dominieren und kein oder nur untergeordnet Pilzbewuchs vorhanden ist, sollte es sich zum Zeitpunkt der Probenentnahmen in aller Regel um noch frühe Stadien der mikrobiellen Besiedelung handeln.

[1] Ausnahmen sind fäkalienbelastete Bauteile nach Abwasserhavarien, in denen gesundheitlich problematische, infektiöse gramnegative Bakterien zur Vermehrung kommen können.

[2] Ausnahmen: Havarie von hoch mikrobiell belastetem Schmutzwasser oder fäkalbelastetem Abwasser

Auf nassem Papier können sich problematischere Schimmelpilze schnell vermehren

Die große Mehrzahl der Schimmelpilze und Bakterien, die an Befallsstellen in Innenräumen anzutreffen sind, zeichnet sich durch völlig fehlende oder nur sehr schwach ausgeprägte toxische Eigenschaften aus . Infektiöses Potenzial ist nicht vorhanden (siehe auch: https://www.advisan.net/2017/06/08/gesundheitliche-aspekte-einer-schimmelproblematik/). Eine besondere Problematik ist bei Wasserschäden durch die mögliche Massenvermehrung von Schimmelpilzen, die ausschließlich bei hohen Wasseraktivitäten zum Wachstum kommen, gegeben. Diesen Schimmelpilzen werden erhöhte toxische Eigenschaften zugeschrieben (z.B. Stachybotrys- Spezies). Diese Schimmelpilze findet man bei „herkömmlichen“ Schimmelschäden im Innenraum z.B. durch Kondensfeuchtigkeit an Wärmebrücken eher nicht.

Trocknungsmaßnahmen z.B. an verkeimten Gipskarton-Leichtbauwänden oder Estrichen können zu besonders hohen, u.U. potenziell toxischen Schimmelpilzfreisetzungen (Stachybotrys-Pilze) führen. Bei länger bestehenden Feuchtigkeitsschäden sollte man bei Unkenntnis der tatsächlichen mikrobiellen Belastungen daher an besondere Sicherungsmaßnahmen denken.(Beispiel: überflutete Fußböden nicht mehr im Überdruckverfahren technisch trocknen). Bei Unkenntnis der Art und des Ausmaßes der Schimmelpilzbelastung einer Leichtbauwand oder eines Estrichfußbodens sollte zur Folgeschadensprävention im Zweifelsfall immer das sicherere Trocknungsverfahren angewendet werden.

Das Schadensalter ist mit das wichtigste Kriterium

In einigen Fällen kann zwar bereits aus der Art des Schadens oder aus Schadensdetails auf einen länger zurückliegenden Schadenseintritt und eine hohe Wahrscheinlichkeit einer fortgeschrittenen Verkeimung geschlossen werden. Beispiele sind schleichende Rohrleckagen, mangelhafte Gebäudesockelabdichtungen, Salzausblühungen und schwere Schäden am Verputz oder Korrosionen an Bewehrungsstahl, Eckschutzschienen oder Befestigungsnägeln o.Ä.. (siehe auch https://www.schimmelberatung-niedersachsen.de/schimmel-check-online/). Häufig sind die Feststellung des Schadenseintrittszeitpunkts und die Einschätzung des Risikos einer bereits eingetretenen mikrobiellen Kontamination bzw. Verpilzung aber nicht ohne weiteres möglich. In diesem Fall kann ein Schimmeltest bei der Entscheidung helfen, ob zurückgebaut werden muss oder noch getrocknet werden kann und welches Trocknungsverfahren ggf. anzuwenden ist.

Schnelles Handeln, aber mit Übersicht ist oberstes Gebot: Wasserschaden und Schimmel-Schnelltests

Nach einem schwereren Wasserschadensereignis ist zeitnahes Handeln oberste Prämisse! Die Schimmelbertung Niedersachsen ist auf unverzügliche Bestandsaufnahmen vor Ort und das mikrobiologische Labor Dr. Missel / Hannover auf einen sofortigen Schimmeltest bei Wasserschäden eingestellt. Mikroskopische Materialprüfungen werden nach Probeneingang im Labor ohne jeglichen Verzug bearbeitet (bitte beachten: eine vorherige telefonische Probenankündigung ist erforderlich!) und die Testergebnisse sofort telefonisch bzw. elektronisch übermittelt.

Wasserschaden und Schimmel-Schnelltests: Eine schnelle und gesicherte Messung und Testung, ob bei einem Wasserschaden durchnässte Oberflächen mit Schimmelpilzen bewachsen sind und wie intensiv ggf. vorhandener Bewuchs ist, gelingt ohne weiteres mit einem mikroskopischen Schimmeltest. Nehmen Sie mit einem transparenten („Tesa“-) Klebefilm eine Abdruck-Kontaktprobe von der betreffenden Oberfläche und senden Sie diese an ein chemisch-biologisches Analysenlabor zur Prüfung zu. Die Schimmelberatung Niedersachsen in Hannover erstellt Ihnen auf Anfrage gerne einen Kostenvoranschlag.

 

Bild 1: Bakterienkolonie auf einer Styropordämmung Bild 2: Keimende Pilzsporen im Mikroskop
Bild 3: Frühe Pilzmyzelbildung im lockeren Verband Bild 4: Dicht ausgewachsenes, vitales Pilzmyzel

 

 

Schimmel messen und Umgang mit Schimmelpilzschäden

Wie und ab wann soll ich von einem Gutachter Schimmel messen lassen? Wie sieht danach richtigerUmgang mit Schimmelpilzbefall aus? Diese oft gestellten Fragen können nur seriös beantwortet werden, wenn die Ausprägung eines Schimmelpilzschadens eingermaßen genau bekannt ist! Schimmelpilze – auch solche, die an feucht gewordenen Bauteilen oder Einrichtungsgegenständen in Innenräumen zu finden sind – übernehmen in der Natur eine wichtige Funktion als Zerstörer toter organischer Materie. Schimmelpilzsporen sind deshalb immer und überall in der Luft vorhanden. Die „natürliche“ Schimmelpilzbelastung außen ist enorm großen Schwankungen unterworfen, der lüftungsbedingte Sporeneintrag von außen nach innen variiert entsprechend. In jedem über Fenster und Türen belüfteten Haus reichern sich Pilzsporen, die von außen nach innen getragen werden, mit der Zeit im sedimentierten Hausstaub an. Pilzsporen im Hausstaub werden immer wieder aufgewirbelt und können die momentane lufthygienische Situation jederzeit verändern. Die Varianz dieser „natürlichen“ Schimmelpilz-Hintergrundbelastung im Innenraum ist beträchtlich https://www.advisan.net/schimmel-in-wohnung-schimmelpilze-und-gesundheit/

Schimmelpilzquellen sind quasi überall und ständig vorhanden

Größere Schimmelpilzquellen an Bauteilen können die hygienische Situation in einem Wohnraum allerings u.U. erheblich beeinträchtigen. „Nicht-baubedingte“ Schimmelpilzquellen innerhalb der Wohnräume sind z.B. verderbende oder verdorbene Lebensmittel, Tierkäfigeinstreu, Zierpflanzen mitsamt Pflanzgefäßen und Topferde sowie gesammelte Lebensmittelverpackungen und feuchte organische Abfälle aller Art. Die Feststellung eines Schimmelpilzbefalls und die hygienische Bewertung der Lebenssituation in einem Innenraum können sich aufgrund der Vielzahl potenzieller Schimmelpilzquellen im Umfeld des Menschen außerordentlich schwierig gestalten.

Nach welchen Kriterien wird ein Schimmelbefall behördlich eingestuft?

Ein „allgemeines Gesundheitsrisiko“ durch Schimmelpilze ist aber nicht nur aufgrund der vorgenannten, sehr variablen „natürlichen“ Hintergrundbelastung, sondern schon alleine aufgrund der individuellen Reaktion des Einzelnen auf Umweltstoffe generell nicht definierbar. Die hygienische Relevanz und potenzielle gesundheitliche Wirkung eines Schimmelschadens bestimmter Ausprägung werden bis heute im Regelfall nicht anhand individueller Befindlichkeiten, sondern hilfsweise anhand der Befallsflächengröße beurteilt (so genanntes „Flächenkriterium“ z.B. gemäß Umweltbundesamt / UBA-Leitfaden).

Simmel messen nach Umweltbundesamt (UBA): Das UBA schlägt in seinem  „Schimmelpilzleitfaden“ auf der Basis der flächigen Ausdehnung drei Kategorien zur Einstufung der Schwere einer Belastung von Materialien mit Schimmelpilzen vor.

Kategorie 1: Schadensfläche < 20 cm2; keine oder sehr geringe Biomasse

Kategorie 2: Schadensfläche < 0,5 m2; mittlere Biomasse

Kategorie 3: Schadensfläche > 0,5 m2; große Biomasse

Gemäß dieser Schadenskategorisierung sollen Schimmelbefallsflächen ab 0,5 m2 in die (höchste) Kategorie 3 „große Befallsfläche“ fallen. Schimmelpilzbefall der Kategorie 3 birgt nach UBA ein Gesundheitsrisiko und muss im Sinne des Minimierungsgebots zur Vorbeugung von Gesundheitsbeeinträchtigungen beseitigt werden. Für Schimmelschäden der Kategorie 3 werden als Maßnahmen unter anderem empfohlen:

–      die Freisetzung von Schimmelpilzen sollte unmittelbar unterbunden werden

–      die Ursache des Schadens ist kurzfristig zu ermitteln und zu beseitigen

–      eine umweltmedizinische Betreuung der Betroffenen sollte erfolgen

–      nach abgeschlossener Sanierung sollte eine Freimessung erfolgen

Kann man mit dem Flächenkriterium alleine einen Schimmelbafall richtig beurteilen?

Eine Beurteilung der hygienischen Relevanz eines Schimmelschadens, der von diesem ausgehenden mutmaßlichen Gefährdungen und der zu ergreifenden Sicherungs- und Schutzmaßnahmen alleine anhand des Flächenkriteriums wird vom Betreiber dieser Internetseite aufgrund der mehrheitlich schlechten Erfahrungen als grundsätzlich nicht anwendbar erachtet und nicht empfohlen.

Dass eine hygienische Schadensbeurteilung  alleine anhand des Flächenkriterieum nicht möglich ist, wird anhand des folgenden Beispeils aufgezeigt:

Bild 1 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden ohne hygienische Relevanz
Bild 1 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden ohne hygienische Relevanz
Bild 2 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden mit hygienischer Relevanz
Bild 2 Schimmel messen: Großflächiger Schimmelschaden mit hygienischer Relevanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Bild 1  zeigt einen großflächigen Schimmelschaden ohne gesamthygienische und gesundheitliche Relevanz. Auf den Fliesen wachsen gesundheitlich unbedenkliche und bereits seit langem degenerierte, überwiegend tote Cladosporium-„Schwärzepilze“. Die Pilze tragen nur geringe Mengen luftgängiger und einatembarer Sporen. Das Bild 2: zeigt einen Schimmelschaden entsprechender Fläche, der aber gesamthygienische und damit potenziell gesundheitliche Relevanz aufzubieten hat. Auf der Wand wachsen stark sporulierende Aspergillus-Schimmelpilze, die mit Massen extrem leicht luftgängiger Sporen behaftet sind. Wie mit den beiden Schimmelschäden umzugehen ist, kann nicht alleine anhand der Fläche beurteilt werden.

Wie sollte ein Schimmelschaden sattdessen beurteilt werden?

Seriöse Aussagen zu einer möglichen Gefährdung durch Pilzbefall in Wohnräumen und Empfehlungen zum richtigen Umgang damit sind nur bei Berücksichtigung aller wichtigen Randfaktoren zu treffen. Dies sind z.B. die vorhandenen Pilzarten, die Bewuchsintensität, die baulichen Gegebenheiten des schimmelgeschädigten Objekts oder die Art und Dauer der Nutzung der betroffenen Räumlichkeiten durch die Bewohner / Benutzer.

Um zu prüfen, ob Schimmel messen durch einen Gutachter anzuraten ist und um beurteilen zu können, wie mit einem Schimmelpilzschaden in einem Innenraum umzugehen ist, werden folgende Informationen benötigt. Dies auch um einschätzen zu können, ob ein Schimmelpilzbefall bestimmter Ausprägung gesundheitliche Risiken birgt:

  1. vorhandene Pilzspezies (starke Sporulierer ↔ schwache Sporulierer)
  2. Fläche der pilzlichen Biomasse
  3. Dichte der Pilzbiomasse (früher Befall ↔ ausgewachsener Befall)
  4. Art und Zustand des Untergrundes an der Bewuchsfläche
  5. Aktivität der vorhandenen Pilze (vital ↔ ausgetrocknet)
  6. Aktuelle und künftig zu erwartende Feuchtigkeit der Befallsfläche
  7. Lokalisation des Schimmelschadens im Objekt (verdeckt / offen)
  8. Gesundheitszustand / gesundheitliche Vorbelastung der Bewohner
  9. Schadenshistorie: Dauer der Schimmelprobleme / der Exposition
  10. Tiefe des mikrobiellen Befalls (nur bei eingehenderer Sanierungsplanung)